Levin 335 (Baujahr: 1959)

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Die Geschichte

1959: Ein gewisser Elvis Presley leistet gerade im hessischen Friedberg seinen Militärdienst ab, Buddy Hollys Karriere findet durch einen Flugzeugabsturz ein tragisches Ende, während Cliff Richard und seine Shadows die britischen Charts dominieren. Was damals noch niemand ahnt: Das Jahr 1959 wird zu einer geradezu magischen Jahreszahl für Gitarrenliebhaber …

 

Im gleichen Jahr entsteht im schwedischen Traditionsunternehmen diese Archtop-Gitarre, die alternativ auch mit einem (335/M1) oder zwei Tonabnehmern (335/M2) angeboten wurde. In der Regel wurden hierfür DeArmond Pickups verbaut.

 

Ein kurzer Abriss zur Firmengeschichte: Herman Carlson Levin (den Nachnamen nimmt er erst später an) wird 1864 im schwedischen Åsaka geboren und absolviert eine Ausbildung zum Möbeltischler. 1887 emigriert er in die USA, findet Arbeit bei einem New Yorker Instrumentenbauer und entschließt sich zur Fertigung eigener Saiteninstrumente. Zurück in Schweden gründet er „Levin“, so entstehen ab 1900 unter dem Namen Levin Akustikgitarren, Mandolinen und wie im vorliegenden Fall Archtop-Gitarren.

 

Das vorliegende Instrument ist mit einer massiven und handgeschnitzten Fichtendecke gebaut, Zargen und Boden sind aus Ahorn gefertigt. Die Decke ist dem Stil entsprechend, mit F-Löchern gefertigt. Zur Zierde wurden der Korpus an Vorder- und Rückseite mit einem hellen Binding aus Kunststoff („single bound“) umrahmt. Ein venetianischer Cutaway ermöglich komfortables Spielen bis in hohe Lagen.

 

Die Saiten laufen durch einen funktionalen Saitenhalter aus Metall über einen höhenverstellbaren Steg aus Palisander zur geschwungenen Kopfplatte. Die ist mit dem „Levin“-Schriftzug versehen und mit einem schönen Inlay, sowie dem „Levin 1900“-Zierschild gekrönt. Je drei geschlossene Mechaniken zu jeder Seite erfüllen ihre Funktion.

 

Der Hals ist mehrteilig aus Mahagoni gefertigt und kann mit einem Halsstab justiert werden. Er trägt ein nicht eingefasstes Griffbrett aus Palisander; Perlmutt-Dots weisen dem kundigen Spieler die Lagen. Das Griffbett bietet dem Spieler 20 Bünde zur Entfaltung. Für den guten Ton sorgen bei bereits erwähnten Modell-Schwestern DeArmond-Tonabnehmer. Im Originalzustand schützt ein Schlagbrett aus Tortoise die Decke vor Beschädigungen. Das Instrument ist mit einer dunklen “Burst“-Lackierung auf Nitro-Basis geschützt.

 

Mit ihrem Erscheinungsbild orientiert sich die Levin 335 – gebaut zwischen 1957 und 1969 –am Schönheitsideal amerikanischer Archtops. Für den englischen Markt wurde Levin über die Firma Rose-Morris als „Model 1797“ (akustische Archtop), „Model 1897“ (mit einem PU) und „Model 1898“ (mit zwei PUs) vertrieben.

 

Technischer Zustand

Die gut erhaltene Gitarre hat von mir einen neuen Knochensattel bekommen. Am Halsfuss zeichnen sich einige Risse ab, die auf ein Neck-Reset schließen lassen. Der Hals sitzt aber stabil Körper. Die Orginial-Mechaniken wurden schon früher gegen Schaller-Mechaniken ausgetauscht. Unglaublich welche Lautstärke und Dynamik diese Jazz-Gitarre entwickeln kann. Der Zustand ist als sehr gut zu bezeichnen.